- Südbahn MV
- → Neuigkeiten
- → Schock: Südbahn fährt nicht weiter
Schock: Südbahn fährt nicht weiter
Landkreis lehnt neuen Vorschlag ab, weil nach wie vor unklar sei, woher Geld kommen soll, und Kreistagsbeschluss als Grundlage fehlt
Seit gestern Abend steht fest: Zwischen Parchim und Malchow wird ab Freitag, 1. Mai, kein Zug mehr fahren. Die Hanseatische Eisenbahngesellschaft (kurz Hans) hatte dem Landkreis ein neues Angebot vorgelegt, auf das bis spätestens 17 Uhr reagiert werden musste. „Ich bin enttäuscht. Wir haben leider eine Absage bekommen“, so Tino Hahn, Geschäftsführer der Hans, gestern Abend auf Anfrage der SVZ.
Er hatte vorgeschlagen, dass der Landkreis seinem Unternehmen für Mai und Juni jeweils 30.000 Euro zahlt, um den Bahnverkehr auf der genannten Strecke vorerst zu sichern. Die Hans wollte ihrerseits insgesamt 40.000 Euro beisteuern – Geld, das ohnehin für den Betrieb eingeplant sei.
In dem Antwortschreiben an die Hans heißt es, dass sich das bestehende Defizit durch die unterbreiteten Vorschläge nicht reduzieren lasse. Eine Eilentscheidung durch kreisliche Gremien sei zudem nicht möglich. „Deshalb sehen wir uns gezwungen, den Zugverkehr bis auf Weiteres einzustellen“, sagt Geschäftsführer Hahn. „Möglichkeiten, die Bahn zu erhalten, gibt es durchaus – wenn man es denn möchte.“ Noch vor wenigen Jahren habe auch Energieminister Pegel davon gesprochen, Bus und Bahn gemeinsam – etwa im Tourismus – zu stärken. Angesichts der jetzigen Entwicklung müsse man sich fragen, wie viel solche Aussagen wert seien.
„Der Landrat kann den Vorschlag der Hans gar nicht umsetzen, weil nach wie vor unklar ist, woher das Geld kommen soll. Es gibt weder einen Kreistagsbeschluss zur Finanzierung noch eine von einer Fraktion eingebrachte entsprechende Beschlussvorlage“, erklärt Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Eine Zusage ohne Grundlage sei unmöglich. Das gelte auch für den Gesamtbedarf in sechsstelliger Höhe, der je nach Variante schwankt.
Mit einer Draisinenfahrt im Bahnhof Karow hatten Bündnis 90 / Die Grünen noch am Montag für die Zukunft der Südbahn demonstriert und das Gespräch mit Bürgerinnen, Bürgern und Vertretern der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ gesucht. Claudia Müller, Landesvorsitzende ihrer Partei, sagte: „Wir wissen, welches Potenzial eine Bahnlinie für eine Region haben kann – gerade beim Tourismus. Erfolgreiche Projekte wie die Usedomer Bäderbahn beweisen das.“ Schon heute besäßen 45 Prozent aller Haushalte in Großstädten kein Auto mehr. „Darum gilt: Wer Touristen in die Region bringen möchte, braucht die Bahn.“
Die derzeitige Situation der Südbahn zeige, dass die Landesregierung den ländlichen Raum offenbar bereits abgeschrieben habe. BI und demokratische Oppositionsparteien im Landtag hätten mehrfach konkrete Wege aufgezeigt, die den Erhalt der gesamten Strecke ermöglichen könnten.
Für Harald Terpe, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90 / Die Grünen, beweist das jahrelange Engagement der BI, der Unternehmen und Verbände, dass die Südbahn dringend gebraucht wird. „Wir Grüne im Bundestag werden uns weiter dafür einsetzen, dass endlich mehr Gelder für Bahnstrecken wie die Südbahn zur Verfügung stehen“, sagt er. „Allerdings darf sich bei diesem Thema die Landesregierung nicht aus der Verantwortung stehlen. Momentan scheitert der Erhalt der Südbahn allein am politischen Willen.“
Enttäuschend verlaufen war in der vergangenen Woche auch das Gespräch im „Interkommunalen Arbeitskreis“. Mitglied darin ist unter anderem Gerd Holger Golisz. „Die Situation ist festgefahren, und leider gibt es keinen Lösungsansatz“, sagte er auf der jüngsten Demonstration der BI. „Ich sehe die Notwendigkeit, dass das Land handelt. Es steht in der Verantwortung, bekennt sich aber nicht dazu.“ Dass die Hans dennoch zwei weitere Angebote unterbreitet habe, sei gleichzeitig „bewundernswert“.