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RB73 / 74 Ausschreibungsänderung sichert Chancen für Konzept ›Karower Kreuz 365+‹

Eine überraschende, aber für die Südbahn entscheidende Nachricht kam am 24.9. aus Potsdam: Brandenburgs Infrastrukturminister Detlef Tabbert (BSW) hat angekündigt, die Regionalbahnlinie RB 73, ein Teilabschnitt des Berlin-Warnemünde-Express (BWX), nicht zusammen mit dem Regionalexpress RE 6 (Prignitzexpress) und der RB 55 auszuschreiben.

Schematische Bahnnetzkarte mit den Linien Südbahn (orange), Prignitz Express (rosa) und einer Nord-Süd-Strecke zwischen Rostock und Neustadt (Dosse) über Güstrow, Priemerburg, Karow (Meckl), Pritzwalk und Kyritz. Der Abschnitt Karow–Pritzwalk ist gestrichelt gekennzeichnet. Der Abschnitt Pritzwalk–Neustadt ist zweigeteilt: Pritzwalk–Kyritz rot („Nicht in bisheriger Ausschreibung“), Kyritz–Neustadt türkis („In bisheriger Ausschreibung“).
Auswirkung der Ausschreibung auf das Streckennetz

Die RB 73 (Neustadt (Dosse) – Kyritz – Pritzwalk) war in der bisherigen ausschreibung nur teilweise enthalten. Es sollte nur der Streckenabschnitt Neustadt (Dosse) – Kyritz ausgeschrieben werden. Die RB 74 (Pritzwalk – Meyenburg) hätte dadurch nicht nur keinen Anschluss mehr an die RB 73, sie sollte offenbar gänzlich entfallen.

Weil die Bahnlinien RB 73 und 74 unerlässlich für die Verknüpfung des Bahnverkehrs von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind und die Basis für das Konzept Karower Kreuz 365+ und den Berlin-Warnemünde-Express (BWX) bildet, wäre ein Streichen der Teilstrecke Kyritz – Meyenburg fatal. Ein Betrieb der isolierten Reststrecke der RB 73 wäre kaum sinnvoll und würde die Renaissance des Bahnverkehrs im Raum Seenplatte / Prignitz unmöglich machen.

Die Bedeutung der Entscheidung

Mit der Herauslösung der RB 73 aus der Ausschreibung hat Minister Tabbert nun bewusst eine andere Richtung eingeschlagen. Er begründet dies mit den positiven Ergebnissen der jüngsten Gutachten zur Mecklenburgischen Südbahn.
Die Bestellung des Zugverkehrs auf der Gesamtstrecke der RB 73 Neustadt (Dosse) – Pritzwalk und RB 74 Pritzwalk – Meyenburg ist damit noch nicht sichergestellt. Hierfür müsste die die aktuelle Ausschreibung der RB 73 und 74 geändert und die Laufzeit des vorgesehenen Verkehrsvertrages bis zum Start des BWX verlängert werden.

Ein langer Weg mit Etappenerfolgen

Die Entscheidung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langen Entwicklung:

  1. Das Konzept Karower Kreuz 365+ wurde in den vergangenen Jahren von der Bürgerinitiative Südbahn und vom BSBB Bündnis Schiene Berlin-Brandenburg erarbeitet, vorgestellt und breit diskutiert.

  2. Beide Landesverkehrsministerien haben mehrere Gutachten in Auftrag gegeben – mit einem klar positiven Ergebnis im Sommer 2025.

  3. Auf der gemeinsamen Kabinettssitzung von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in Neubrandenburg haben beide Regierungen vor kurzem erklärt, sich für eine Reaktivierung der Südbahn und der Verlängerung der Prignitzer Linien Richtung Güstrow einsetzen zu wollen. Dafür sollen Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) beantragt werden.

  4. Die ursprünglich gestartete Ausschreibung durch den VBB hätte diese Pläne jedoch de facto zunichtegemacht, weil der nördliche Abschnitt stillschweigend herausgefallen wäre.

  5. Nun schafft die Korrektur der Ausschreibung die Grundlage, dass die Nord-Süd-Bahn nicht aus dem Gedächtnis verschwindet – sondern im Gegenteil: dass sie wieder Teil einer zukunftsfähigen Infrastrukturstrategie wird.

Mehr als ein regionales Anliegen

Die Entscheidung ist mehr als nur eine technische Korrektur in einem Ausschreibungsverfahren. Sie sichert die Chance, dass die Nord-Süd-Bahn – und damit auch die Südbahn – eine realistische Perspektive behält. Das betrifft nicht nur die Anbindung der Prignitz und der Seenplatte, sondern auch die überregionale Verbindung zwischen Berlin und Rostock.

Fazit

Die Entscheidung vom 24.9. ist noch kein Durchbruch, aber eine wichtige Weichenstellung. Die Reaktivierung der Südbahn ist nicht vom Tisch – im Gegenteil: Die Chancen sind deutlich gestiegen. Jetzt kommt es darauf an, dass die nächsten Schritte konsequent angegangen werden, damit die Strecke wieder zu einer starken Nord-Süd-Achse im Bahnnetz wird.

geschrieben am 04.10.2025 von Eric Wätke Constantin Pitzen

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