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Mit der Bahn zur Hochzeit
Die Parchimer Kommunalpolitikerin Steffi Pulz (Die Linke) heiratete auf nachhaltige Art
Im Regionalzug der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg) ist an diesem Sonnabend-Mittag so gut wie jeder Platz besetzt. Das Besondere: die Mehrzahl der Fahrgäste ist sehr festlich gekleidet. Steffi Pulz, die Parchimer Fraktionsvorsitzende der Linken, die zudem im Kreistag von Ludwigslust-Parchim sitzt, fährt zu ihrer Trauung mit der Bahn − und ihre Hochzeitsgesellschaft fährt mit. Die Heirat mit Ulli Debler, dem Betreiber des Restaurants „Papillon“ in Parchim, soll auf der Burg Neustadt-Glewe stattfinden. „Ich wollte eine nachhaltige Hochzeit“, sagt die 39-jährige erklärte Romantikerin. „Generell geht es mir darum, wie ich meine Mobilität verändern kann, um das Klima zu schützen.“ Mit ihrer Zugfahrt zur Hochzeit will die zweifache Mutter ein Zeichen für die notwendige Mobilitätswende setzen. Aber nicht nur die Fahrt zur Trauung ist nachhaltig: „Wir verwenden selbstverständlich kein Plastikgeschirr bei der Feier, sondern nur normale Gläser, Teller und Besteck.“ Sogar die Trauringe sind dem Nachhaltigkeitskonzept sprechend ausgesucht. „Das Gold ist fair gehandelt, das heißt die Arbeiter schürfen unter guten Bedingungen, und es gibt in den Gruben keine Kinderarbeit.“ Das Silber wurde aus alten Schmuckstücken recycelt. Die Juwelierin für die Ringe fand das Paar, das sich vor acht Jahren im Parchimer Irish Pub kennenlernte, im Internet.
„Ich habe von Steffi nichts anderes erwartet“, sagt Brautmutter Heike Pulz lachend. „Das haben auch die anderen Hochzeitsgäste gesagt“, erklärt Zwillingsschwester Jana Haak. Sie ist ebenfalls in der Kommunalpolitik aktiv, sie führt die SPD-Fraktion in der Stadtvertretung. Tochter Laila Pulz dürfte zufrieden mit ihrer Mama sein, die Schülerin hat die Fridays-for-Future-Bewegung in Parchim gegründet.
Und die ältere Schwester der politisch aktiven Zwillingsschwestern, Hanka Gatter, engagiert sich für die Flüchtlingsarbeit in Parchim.
Für Zugbegleiter Stefan Schulz ist diese Hochzeitsfahrt etwas Besonderes. „Ich habe schon einmal von so einer Fahrt in Brandenburg gehört, aber selbst noch keine erlebt.“ Seit vier Jahren arbeitet er für die Odeg, die die südliche West-Ost-Verbindung MVs betreibt, die sogenannte Südbahn-Strecke. Seit Mai fährt die Odeg an Wochenenden und Feiertagen drei Mal täglich auch wieder auf der Strecke zwischen Parchim und Plau am See, nachdem Ende vergangenen Jahres der Verkehr ganz eingestellt wurde.
Clemens Russell, der Sprecher von „Pro Schiene“, gehört an diesem 1. August ebenfalls zur Hochzeitsgesellschaft, denn Steffi Pulz engagiert sich stark in der Bürgerinitiative, die jahrelang für die Südbahn-Strecke gekämpft hat.
Er wäre genauso wie seine Frau Claudia Amman und Mitstreiter Rainer Raeschke (Die Linke) gern schon in Lübz in die Bahn eingestiegen, um mit den Hochzeitern zur Burg Neustadt-Glewe zu fahren. Doch auf dieser Strecke fährt die Bahn wie gesagt nur drei Mal am Tag und gerade nicht zu der Zeit, um rechtzeitig zum Hochzeitstermin auf der Burg zu sein. So mussten die drei mit dem Auto nach Parchim fahren, um in den Zug zu steigen. Die Initiative wünscht sich ein Angebot auch für die Pendler und sonstigen Reisenden der Region. Aber auch schon mit dem im Mai gestarteten Saisonverkehr sind sie derzeit nicht zufrieden. Die Fahrgastzahlen der nächsten drei Jahre sollen die Grundlage für die Entscheidung über einen Weiterbetrieb der Südbahn bilden. „In der Vorbereitung, Durchführung und Bewerbung ist noch viel Luft nach oben“, kritisiert Russell. Nach Aussage der Odeg steigen die Fahrgastzahlen immerhin langsam. „Wir brauchen ein integriertes Verkehrskonzept“, so der BI-Sprecher. Anfang September soll die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie fertig sein.
Die Hochzeitsfahrt wurde überschattet vom Zusammenstoß eines Motorradfahrers mit einem Triebwagen der Odeg an einem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Karow und Lübz (Seite 8). „Wir bedauern diesen schrecklichen Unfall sehr“, so Clemens Russell im Namen der Bürgerinitiative. „Die Beschrankung der Bahnübergänge entlang der Südbahn-Strecke zwischen Parchim und Plau am See gehört zu den Investitionen, die in Zukunft getätigt werden müssen. Wir wollen, dass die Südbahn sicher ist.“